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Laut US-Präsident Trump soll die brüchige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon um drei Wochen verlängert werden. Ist das ein erster Schritt zu einem Friedensabkommen? Wie reagiert die Hisbollah? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Warum führen Israel und die Hisbollah Krieg?
Die Hisbollah ist eine mächtige schiitische Miliz und politische Bewegung im Libanon, die von Iran unterstützt wird. Sie kämpft seit Beginn der 1980er-Jahre mit der Unterstützung Irans gegen die Existenz Israels und gilt neben Milizen im Jemen und im Irak als stärkster Verbündeter des Regimes in Teheran.
Die jüngsten Konfrontationen begannen im Zuge des Iran-Kriegs, den die USA und Israel begannen, und nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei Ende Februar. Wenige Tage später startete die Hisbollah – die “Partei Gottes” – neue Angriffe auf Israel, dessen Armee erneut schwere Luftangriffe im Libanon flog. Seitdem wurden im Libanon mehr als 2.000 Menschen getötet und 1,2 Millionen vertrieben – etwa ein Fünftel der Bevölkerung.
Wie geht es im Libanon jetzt weiter?
Eine zehntägige Waffenruhe, die am Sonntagabend ausgelaufen wäre, wird US-Präsident Donald Trump zufolge um drei Wochen verlängert. Trump kündigte das nach einem seltenen Treffen von Vertretern Israels und des Libanons im Weißen Haus an. Libanesische Vertreter hatten vor dem Treffen erklärt, sie strebten eine Verlängerung des Waffenstillstands um einen Monat an. Nach dem Treffen erklärte Israels Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, sein Land wolle ein Friedensabkommen mit der libanesischen Regierung.
Libanons Regierung, die keine aktive Partei in dem Krieg ist, hat aber vor einer Aushöhlung der Waffenruhe bei neuen Verstößen der israelischen Armee gewarnt. Auch die Hisbollah hat trotz der geltenden Feuerpause mehrfach Ziele in Israel angegriffen. Direkte Gespräche mit Israel und eine Waffenruhe lehnt sie ab.
Beendet ist der Krieg also keineswegs. Wegen der “lockeren” Bedingungen bei der Verlängerung der Waffenruhe dürften auch die Angriffe weitergehen, sagt Makram Rabah, Geschichtsprofessor an der Amerikanischen Universität in Beirut (AUB). Trump könnte mit den Treffen in Washington aber auf ein späteres, umfassenderes Abkommen hinarbeiten. Dafür will er bald Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun empfangen.
Was würde ein Treffen Netanjahus mit Aoun bedeuten?
Eine Begegnung Aouns mit Netanjahu hätte zumindest symbolisch eine enorme Wirkung. Ihre beiden Staaten sind seit der Gründung Israels 1948 offiziell im Krieg. Schon die Tatsache, dass in Washington jetzt die Botschafter beider Länder in den USA direkt miteinander sprechen, gibt etwas Hoffnung, dass irgendwann auch ein umfassenderes Abkommen greifbar sein könnte. Die strittigen Punkte werden sich aber nicht schnell ausräumen lassen.
Die wichtigste Frage bleibt in diesen Gesprächen, ob und wie der Libanon und dessen Armee eine Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen können, die diese ablehnt. Und auch, ob Israels Truppen dauerhaft aus dem Südlibanon abziehen, in dem sie seit anderthalb Jahren wieder eine militärische Präsenz halten. Iran und die Hisbollah lehnen die Gespräche in den USA ab.
Was will Libanons Regierung …
Der libanesische Präsident Joseph Aoun geht so hart gegen die Hisbollah vor wie wohl keiner seiner Vorgänger. Die meisten Teile der Regierung sehen eine Entwaffnung der islamistischen Miliz, die lange wie ein Staat im Staate agierte, heute als beste Chance, um ein Ende von Israels Angriffen zu erreichen. Laut einer Umfrage von 2025 wünschen sich inzwischen etwa 80 Prozent der Libanesen, dass die Hisbollah die Waffen abgibt. Viele machen sie direkt für die Zerstörung und die humanitäre Krise in dem kleinen Land verantwortlich. “Der Libanon ist fertig mit der Hisbollah”, schreibt das Magazin Foreign Policy.
… und was will die Hisbollah?
Zugleich hat die Hisbollah weiterhin große politische Macht und Rückhalt vor allem unter den Schiiten im Land, die rund 30 Prozent der Bevölkerung stellt. Das liegt auch daran, dass ihre Programme für soziale Wohlfahrt etwa in den Bereichen Bildung, Entwicklung und Finanzen örtlichen Gemeinden dort helfen, wo der Staat versagt.
Militärisch ist die Hisbollah aber deutlich geschwächt und das Arsenal von geschätzt 150.000 Raketen im Jahr 2023 auf schätzungsweise 20.000 geschrumpft. Ganz abgeben wird sie die Waffen vorerst wohl nicht. Es gibt auch Sorge, dass solch ein Schritt im Libanon zu konfessioneller Gewalt oder gar einem neuen Bürgerkrieg führen könnte.
Was wird aus der UN-Mission im Land?
Seit bald 50 Jahren überwachen die Blauhelme von UNIFIL das Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Israel, die Mission soll aber Ende des Jahres auslaufen. Israel und die USA betrachten den Einsatz als ineffektiv beim Ziel, militärische Aktivitäten der Hisbollah zu unterbinden. Der Libanon hofft dagegen, dass es auch 2027 noch eine UN-Präsenz geben könnte – die Entscheidung liegt aber beim UN-Sicherheitsrat.
Derzeit sind nach UN-Angaben mehr als 7.500 Blauhelmsoldaten aus rund 50 Ländern in dem Gebiet stationiert. Der Einsatz gilt als einer der gefährlichsten weltweit. Erst vor wenigen Tagen wurden durch einen Angriff zwei französische Soldaten getötet. UNIFIL ist es nicht gelungen, im Südlibanon eine von Waffen befreite Zone zu schaffen. Sie bleibt aber eine Art letzter unabhängiger Puffer in einem schwer umkämpften Gebiet, in dem seit anderthalb Jahren wieder Israels Bodentruppen im Einsatz sind.
Basierend auf Informationen der Nachrichtenagentur dpa.

