Hintergrund

Stand: 30.06.2026 • 16:34 Uhr

Vor allem in der Industrie streichen deutsche Unternehmen derzeit viele Arbeitsplätze. Der Trend könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Anderswo entstehen neue Jobs.

In Deutschland fallen aktuell viele Industriejobs weg – die jüngsten Pläne des Volkswagen-Konzerns zu Streichung von weltweit bis zu 100.000 Stellen haben abermals den Blick auf die massiven Arbeitsplatz-Verluste im verarbeitenden Gewerbe gelenkt. Nicht nur die Autoindustrie mit ihren Zuliefererbetrieben ist betroffen, sondern auch die Stahlindustrie oder der Maschinenbau.

Bis 2030 planten insgesamt 60 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland Stellenabbau, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Horváth und des Handelsblatts. Demnach sei alleine in diesem Jahr mit dem Wegfall weiterer 100.000 Arbeitsplätze in der Industrie zu rechnen. Bereits 2025 hatte sich der Jobverlust in der Industrie beschleunigt, insgesamt strichen die Firmen rund 120.000 Jobs.

Zu teure Energie, zu viel Bürokratie

Als Gründe für den massiven Stellenabbau nennen Unternehmen immer wieder zu hohe Kosten, etwa für Personal und Energie. Auch eine hohe Belastung durch Steuern und Abgaben und durch überbordende Bürokratie wird genannt.

“Die Unternehmen planen, wieder vermehrt Stellen abzubauen”, meldete jüngst das Münchner ifo-Institut. Das von ihm erhobene Beschäftigungsbarometer sank im Juni um 1,6 auf 92,3 Punkte. Das ist einer der schlechtesten Werte seit der Corona-Pandemie. “Der Arbeitsmarkt bleibt schwach”, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. “Von einer nachhaltigen Belebung der Beschäftigung ist Deutschland derzeit noch weit entfernt.”

Industriejobs entstehen im Ausland

Besonders schlecht sind laut ifo-Institut die Aussichten in der Industrie und im Handel. In diesen beiden Wirtschaftszweigen übersteigt die Zahl der Unternehmen, die Jobs abbauen wollen, die Zahl derjenigen Firmen, die Jobs aufbauen wollen, um rund 18 Prozentpunkte.

Jahrzehntelang funktionierte das Exportmodell von Deutschland aus gut – inzwischen orientieren sich die Firmen zunehmend global, wenn es um Produktion, Forschung und Entwicklung geht. Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets fließen zwar noch ins Inland, aber fast ausschließlich in Anlagenerhaltung und Automatisierung. Echter Ausbau mit neuen Arbeitsplätzen findet in den Auslandsmärkten statt.

Strukturwandel, der sich beschleunigt

Der aktuelle Stellenabbau finde “nicht durch große Entlassungswellen, sondern eher schleichend statt,” urteilt Luisa Kunze von der Bertelsmann-Stiftung, die gerade eine neue Studie dazu veröffentlicht hat. Neu sei der Trend nicht; der Strukturwandel weg von der Industrie habe sich zuletzt aber beschleunigt.

Die Gründe dahinter sind vielfältig. Während die Industrie gerade auch stark unter den neuen US-Zölle leidet, gibt es zunehmenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen, die massiv von der Staatsführung in Peking subventioniert werden.

Stellen-Aufbau im Bau oder der Pflege

Gleichzeitig gibt es Branchen in Deutschland, in denen die Zahl der Beschäftigten wächst. Deutlich zugenommen hat im vergangenen Jahrzehnt zum Beispiel das Baugewerbe um rund 80.000 Menschen, wie es von der Bundesagentur für Arbeit heißt.

In der Informations- und Kommunikations-Branche liegt das Plus bei rund 70.000 Beschäftigten. Auch in Pflegeberufen werden Stellen aufgebaut.

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