Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Das zeigt der aktuelle Klimazustandsbericht der Weltorganisation für Meteorologie und des EU-Klimadienstes Copernicus.
Kein Kontinent erwärmt sich so schnell wie Europa – und die Folgen des Klimawandels sind deutlich zu spüren. Zu diesem Schluss kommt der Europäische Klimazustandsbericht. Wie Celeste Saulo, die Generalsekretärin der Weltorganisation für Meteorologie, betonte, werden Hitzewellen immer häufiger und heftiger. 2025 habe es langanhaltende Hitzewellen vom Mittelmeer bis zum Polarkreis gegeben.
Teile Europas reichen in die Arktis hinein. Die erwärmt sich schneller als der Rest der Welt, so Samantha Burgess, Vize-Direktorin des EU-Programms Copernicus. “Gebiete des nördlichen und östlichen Europas erlebten ihr heißestes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, darunter Länder wie das Vereinigte Königreich, Norwegen und Island.”
Die hohen Temperaturen begünstigten im vergangenen Jahr ungewöhnlich frühe Waldbrände. Mehr als eine Milliarde Hektar Land verbrannten.
CO2-Emissionen in Deutschland 2025 auf Rekordhoch
Die größten Waldbrände gab es im Sommer in Spanien und Portugal. Dadurch stiegen auch die CO2-Emissionen auf die höchsten jemals für Europa verzeichneten Werte.
Der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 ist maßgeblich für den menschengemachten Klimawandel verantwortlich. Um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken, müsste der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas rasch sinken.
Der Klimabericht zeigt weiter, dass auch die europäischen Meere zu warm sind. Ihre Oberflächentemperatur ist so hoch wie nie. Marine Hitzewellen wirken sich negativ auf Pflanzen und Tiere unter Wasser aus. Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Flüsse aus. 70 Prozent der Flüsse in Europa führten weniger Wasser als gewöhnlich.
Die Gletscher schmelzen weiter
Ebenso von der Erderwärmung betroffen sind die kälteren Regionen Europas. Sie verändern sich. Die Gletscher in allen europäischen Regionen verzeichneten einen Netto-Massenverlust, wobei die Gletscher in Island am meisten betroffen waren.
Hinzu kommt, dass unterdurchschnittliche Niederschläge zu einem erheblichen Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung geführt hätten. Samantha Burgess erklärt, die Höhe der Schneedecke Ende des Winters 2025 habe auf dem drittniedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gelegen, ebenso die schneebedeckte Fläche in Europa.
Versorgung mit erneuerbaren Energien steigt
Alle diese Entwicklungen führen zu einem anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt im Meer und an Land. Die Natur sei zunehmend Stress ausgesetzt, wegen schrumpfender und sich verlagernder Lebensräume, den wärmeren Temperaturen sowie den Veränderungen bei den Niederschlägen.
Positiv stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus, dass die Versorgung mit erneuerbaren Energien wächst. In Europa sei fast die Hälfte des Stroms im vergangenen Jahr aus erneuerbaren Energien gewonnen worden.
Doch Dusan Chrenek von der Generaldirektion Klimapolitik der Europäischen Kommission treibt an. “Das reicht nicht aus. Wir müssen schneller werden” und beruft sich auf weltweite Zusagen, die Kapazitäten der erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu steigern.
Klimawiderstandsfähigkeit obligatorisch
Europa müsse eine Klimawiderstandsfähigkeit aufbauen, sagt Chrenek weiter, um die Folgen des Klimawandels, wie Extremwetter, besser zu bewältigen, sich anzupassen und aus den Krisen zu lernen.
Denn das Thema bleibt, wie Celeste Saulo, von der Weltorganisation der Meteorologie klar machte. “Durch den Rekordanstieg der Treibhausgase ist es praktisch unmöglich, die globale Erwärmung in den nächsten Jahren auf 1,5 Grad zu begrenzen, ohne das Pariser Abkommen vorübergehend zu überschreiten.” Wichtig sei, diese Überschreitung so kurz und flach wie möglich zu halten.

