Trumps MAGA-Bewegung beherrscht die Republikanische Partei nahezu vollständig. Utahs Gouverneur Cox ist eine Ausnahme. Sein Credo: den Gegner respektieren und nicht niederbrüllen.
Vor sechs Jahren während des Wahlkampfs in Utah: Der Republikaner Spencer Cox bewirbt sich um das Amt des Gouverneurs. Mit seinem Kontrahenten Chris Peterson von den Demokraten nimmt er einige TV-Spots auf, gemeinsam.
Die Botschaft der beiden: “Wir können über Themen diskutieren, ohne den Charakter des anderen herabzuwürdigen. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, ohne einander zu hassen. Und egal, ob wir gewinnen oder verlieren – in Utah arbeiten wir zusammen.”
Die Spots gehen viral. Cox hat seine politische Marke gefunden. Nach seinem Wahlsieg gegen Peterson startet der neue Gouverneur eine landesweite Initiative: “Disagree Better”, auf bessere Weise anderer Meinung sein.
Gouverneur nicht nur für jene, die ihn gewählt haben
Wie Cox sein Amt versteht, sagt er dem Sender NPR: Zwar hätten Republikaner ihn gewählt, aber er sei nicht der Gouverneur der Republikaner: “Ich bin der Gouverneur von Utah, was bedeutet, dass für jeden ein Platz am Tisch sein muss. Jeder sollte die Gelegenheit bekommen, seine Gedanken und Ideen zu äußern.”
Heute ist Cox in seiner zweiten Amtszeit. Der 50-Jährige ist von Beruf Anwalt. Er gehört der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, ist also Mormone. Etwa 42 Prozent der Menschen in Utah identifizieren sich als Mormonen.
Der Konservatismus dieser Glaubensgemeinschaft hat diesen Bundesstaat geprägt. Dazu gehört auch, Maß zu halten, sagt Natalie Gochnour. Sie moderiert die Talksendung “Both Sides of the Aisle” bei Utah Public Radio.
Setzt auf einen respektvollen Umgang mit dem politischen Gegner: Utahs Gouverneur Spencer Cox.
“Eher ein moderater Ton”
In jeder Sendung hat sie mindestens zwei Gäste im Studio, die entgegengesetzte Meinungen vertreten und sich dann austauschen – ohne laut zu werden, ohne den anderen niederzumachen. Gochnour sagt, Utah sei “etwas anders”: “Wir schlagen eher einen moderaten Ton an. Auch Gouverneure früher, vor Cox, standen für ein Debattieren mit Würde. So sagte Gouverneur Herbert immer: ‘In Utah sind wir in unseren Grundsätzen konservativ, in unserem Ton gemäßigt und im politischen Prozess integrativ.'”
Am 10. September vergangenen Jahres stellt ein Verbrechen die Menschen in Utah auf die Probe. Auf einem Uni-Campus in Orem wird der rechtsgerichtete Aktivist Charlie Kirk erschossen, auf offener Bühne, vor Tausenden jungen Leuten. Schreihälse aus der MAGA-Bewegung schieben die Verantwortung für die Tat umgehend dem politischen Gegner zu.
Nach Kirk-Attentat mahnt Cox zu Mäßigung
Gouverneur Cox mahnt hingegen zu Zurückhaltung und Mäßigung. Man müsse einen Weg finden, damit aufzuhören, seine Mitbürger zu hassen, sagt der Politiker vor der Presse.
Er wendet sich direkt an die jungen Leute, die Zeuge der tödlichen Schüsse wurden: “Ihr erbt ein Land, wo sich die Politik wie Wut anfühlt – als sei Wut die einzige Option. Eure Generation hat die Möglichkeit, eine Kultur zu schaffen, die ganz anders ist als die, an der wir derzeit leiden.”
Drei Mal hat eine Mehrheit der Wähler in Utah Donald Trump ihre Stimme gegeben. Doch frühere Präsidentschaftskandidaten der Republikaner erzielten bessere Ergebnisse. Es gibt eine kulturelle Abneigung. So ist Trump zum dritten Mal verheiratet, wurde wegen eines sexuellen Angriffs verurteilt und ist der erste vorbestrafte Kriminelle im Amt des Präsidenten.
Trumps Schimpfwörter stoßen auf Ablehnung
Auch Trumps Ausdrucksweise – häufig voller Schimpf- und Fluchwörter – stößt viele ab, sagt die Radiomoderatorin Natalie Gochnour. Die meisten in Utah würden so nicht sprechen, geschweige denn, dies ihren Kindern beibringen. Wie befremdlich viele ihrer Mitbürger Trumps Ton fänden, höre sie immer wieder, selbst von Menschen, die Anhänger der Republikaner seien.
Utahs Wirtschaft geht es blendend und zieht top-ausgebildete Fachkräfte aus dem ganzen Land an. Die Geschäftswelt setzt auf pragmatische Politik über Parteigrenzen hinweg. Gochnour, von Beruf selbst Ökonomin, verweist dabei darauf, dass der Anteil derer in Utah, die nicht politisch-ideologisch geprägt sind, groß sei.
Diese Menschen seien darauf bedacht, Ideen zu hinterfragen, ohne andere anzugreifen: “Sie hören zu, um zu verstehen, und nicht, um zu kontern; sie sind neugierig statt wütend. Das sind Eigenschaften, die meiner Meinung nach Teil unserer Kultur sind.”
Innerhalb der Parteiorganisation der Republikaner in Utah gibt die MAGA-Fraktion mittlerweile den Ton an. Doch ihre Kandidaten verlieren regelmäßig, wenn die breitere republikanische Wählerschaft an die Urnen geht. Denn dort stoßen sie auf das, was einige die “Brandmauer” des Mormonentums nennen, eine kulturelle Tradition, die von bürgerlicher Zurückhaltung, Mäßigung und parteiübergreifendem guten Willen geprägt ist.
Cox stimmte 2024 für Trump
Spencer Cox bleibt sich nicht immer treu. Zweimal stimmt er gegen Trump, aber dann, 2024, unterstützt er ihn. Eine Reaktion, wie Cox damals sagt, auf das Attentat auf Trump im Sommer vor der Wahl. Er habe Trump versprochen, ihm künftig dabei zu helfen, die Lage im Land zu beruhigen.
Ende vergangenen Jahres gesteht Cox jedoch ein: Diese Wette ist nicht aufgegangen, Trump ist Trump geblieben und polarisiert wie eh und je. “Er ist da nicht vorangeschritten. Er sieht das etwas anders als ich. Wir sind da unterschiedlicher Meinung. Aber zumindest kann ich mit ihm reden.”
Für einen Gouverneur aus der Republikanischen Partei ist das wichtig. Denn Trump gilt als nachtragend. Sich mit ihm anzulegen, kann Nachteile haben. Damit beugte sich Cox der Realität. In der Republikanischen Partei bestimmt noch immer letztlich nur einer den Kurs: Präsident Trump.


